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Impfdilemma

Impfdilemma

Schon bei Imma­nu­el Kant fin­det sich die Fra­ge auf­ge­wor­fen, wie denn Impf­nut­zen zu ‑risi­ko steht: »Wer sich die Pocken ein­imp­fen zu las­sen beschließt, wagt sein Leben aufs Unge­wis­se: ob er es zwar tut, um sein Leben zu erhal­ten, und ist so fern in einem weit bedenk­li­che­ren 

In den Wald eintauchen

In den Wald eintauchen

Ein Pro­jekt, das mir per­sön­lich nahe liegt, ist jetzt live gegan­gen: »Wald­ba­den mit Delia« erschließt den Ach­t­­sam­­keits-Trend mit unse­rem Freund, dem Baum, für Schles­­wig-Hol­stein. Ich freue mich, mit Tex­ten und der Erstel­lung der Wor­­d­­Press-Sei­­te einen Bei­trag geleis­tet zu haben. – Inter­es­siert? Schau­en Sie doch zuerst 

Wortbericht: Kairos

Wortbericht: Kairos

Nein, nicht ein sel­ten genug zu ver­wen­den­der Plu­ral der ägyp­ti­schen Haupt­stadt – son­dern der glück­li­che Moment der Ent­schei­dung. Die früh­grie­chi­sche Dich­tung und Phi­lo­so­phie ver­steht unter dem Kai­ros eine Stel­le in Zeit und Raum, »deren Erkennt­nis und Nut­zung dem mensch­li­chen Han­deln Gelin­gen ver­spricht« (HWPh IV, Sp. 667)

In der grie­chi­schen Mytho­lo­gie steht die Figur des Got­tes Kai­ros dem Chro­nos ent­ge­gen, sei­ne Dar­stel­lung zeigt eine in die Stirn fal­len­de Haar­lo­cke, durch die die »Gele­gen­heit beim Schop­fe zu packen« ist und einen kah­len Hin­ter­kopf: »Wenn ich mit flie­gen­dem Fuß erst ein­mal vor­bei­ge­glit­ten bin / wird mich auch kei­ner von hin­ten erwi­schen / so sehr er sich auch bemüht« (Grün­del 1996, Sp. 1131). Auch die Redens­art »auf Mes­sers Schnei­de« stammt aus des Kai­ros’ Per­so­ni­fi­ka­ti­on. (Dan­ke, Wiki­pe­dia.)

Die schick­sal­haf­te Ver­an­ke­rung von Gedeih und Ver­der­ben in der Gunst der Natur dürf­te den meis­ten von uns Heu­ti­gen eher fremd gewor­den sein. Wie wäre es aber damit: Die Vor­stel­lung, dass das rech­te Maß sich güns­tig auf unse­re Ent­schei­dun­gen aus­wirkt, scheint mir tröst­li­che Ori­en­tie­rung in schwie­ri­gen Zei­ten zu bieten.

Kai­ros-Reli­ef aus dem Europeana-Portal

Wortbericht: Janhagel

Wortbericht: Janhagel

Das alte Sub­stan­tiv J. steht für Gesin­del, Pöbel und ist im Nie­der­deut­schen des 17. Jahr­hun­derts ent­stan­den aus dem nie­der­län­di­schen Vor­na­men Johann/Jan und dem Fluch, dass jeman­den der Hagel tref­fen möge. (Vgl. etwa den Ein­trag im Digi­ta­len Wör­ter­buch der deut­schen Spra­che, DWDS, sowie im Online-Duden.) Mein 

Ach, Aldi

Ach, Aldi

Cor­­po­ra­­te-Iden­­ti­­ty-Schrei­­bun­­­gen, wohin man schaut. Fast gewöh­ne ich mich an Namens-Ver­­­sa­­li­­sie­­rung (ALDI) und Bin­nen­ma­jus­keln (Lin­kedIn). Das tue ich zwar gern als typo­gra­phisch schlech­ten Stil und bis­wei­len seman­ti­schen Unsinn ab – wobei ich mich aber wirk­lich nicht auf ein blo­ßes Schul­ter­zu­cken zurück­zie­hen kann, das ist die weit 

Ambulante Beratung

Ambulante Beratung

Dem Den­ken im Dia­log auf die Sprün­ge hel­fen – zu mei­nen bes­ten beruf­li­chen Erfah­run­gen wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie gehö­ren die beglü­cken­den Momen­te, in denen der Aus­tausch mit einem Gegen­über pro­duk­tiv wird. Das geht gegen­wär­tig natür­lich tele­fo­nisch oder per Video­call – als effek­tivs­te und berei­chernds­te Mögichkeit erle­be ich aber immer wie­der die Ver­ab­re­dung zum »Denk-Spa­zier­gang«. Das ist es, was ich ambu­lan­te Bera­tung nenne.

Ob nun als Aus­tausch über die Eck­punk­te einer Pro­jekt­ar­beit, als kon­kre­te Text­dis­kus­si­on und Argu­men­ta­ti­ons­be­ra­tung oder in Form eines gemein­sa­men Brain­stor­mings: In Bewe­gung wird das Den­ken ange­regt, flie­ßen gemein­sa­me Krea­ti­vi­tät und Produktivität.

Habe ich Ihr Inter­es­se geweckt? Schrei­ben Sie mir unter kontakt(at)michael-sellhoff.de.


PS: Klei­ner begriffs­ge­schicht­li­cher Exkurs gefällig?

Das latei­ni­sche »ambu­la­re« bedeu­tet so viel wie umher­ge­hen, wan­deln. Für die anti­ke Phi­lo­so­phie war Bewe­gung so eng mit dem Den­ken ver­bun­den, dass die Schu­le des Aris­to­te­les ihren Namen nach dem Begriff für »Wan­del­hal­le«, Peri­pa­tos, erhielt und ihre Anhän­ger ent­spre­chend Peri­pa­teti­ker genannt wurden.

Auch acht Jahr­hun­der­te spä­ter ist das Umher­wan­deln phi­lo­so­phisch von Bedeu­tung; Augus­ti­nus nimmt ihn in einem Dia­log zur Pra­xis des Leh­rens und Ler­nens als Exem­pel: Ob sein Gesprächs­part­ner nicht wis­se, dass »›Umher­ge­hen‹ etwas ande­res ist als ›Eilen‹«? (1)

Über Imma­nu­el Kant schließ­lich ist bekannt, dass die Königs­ber­ger nach sei­nem Abend-Spa­zier­gang die Uhr stel­len konn­ten. Frag­los ist auch ihm das Gehen gedank­lich anre­gend gewesen.

Natür­lich kommt auch unser wei­ter­hin gebräuch­li­ches Wort »Ambu­lanz« daher. Der vier­bän­di­ge Brock­haus von 1922 ver­zeich­net dazu noch: »ambu­lant, her­um­strei­fend, wan­dernd«; »Ambu­lanz, flie­gen­des Feld­la­za­rett « … O tem­po­ra, o mores.

(1) Zitiert nach Mar­kus Arnold, Die Erfah­rung der Phi­lo­so­phen, S.98 (abge­ru­fen am 26. März 2021).

Bild: Pla­ton und Aris­to­te­les, Aus­schnitt aus »Die Schu­le von Athen«, Fres­ko von Raf­fa­el (Wiki­pe­dia: gemein­frei)

Lego-Sprache

Lego-Sprache

In der kürz­lich erschie­ne­nen Lite­ra­tur­bei­la­ge der ZEIT (12/21) fin­det sich ein gro­ßes Inter­view mit der in Eng­land gebo­re­nen deut­schen Schrift­stel­le­rin Sharon Dodua Otoo. Gemein­sam mit Inter­view­er Ijo­ma Man­gold ver­gleicht sie dar­in anläss­lich ihres Debüt­ro­mans Adas Raum die Vor­zü­ge und Nach­tei­le der eng­li­schen und deut­schen Spra­che: 

Mein Wort des Tages: Babyelefant

Mein Wort des Tages: Babyelefant

Dahin­ter ver­birgt sich die in Öster­reich ver­brei­te­te Ein­heit für coro­­na-kon­­for­­men Min­dest­ab­stand (1 Meter). Wie der ORF in einem Bei­trag erzählt, geht die Begriffs­prä­gung auf eine beauf­trag­te Wer­be­agen­tur zurück – und der Ele­fant müs­se schon recht jung sein, auch blei­be der Rüs­sel unbe­rück­sich­tigt.  Wie ich dar­auf 

Sprachanstand

Sprachanstand

Lie­be taz,

der ZEIT lag kürz­lich ein Fly­er von Dir bei, mit dem Slo­gan »Min­dest­an­stand ein­hal­ten« warbst Du dar­in für Mei­nungs­viel­falt – und deren Unter­stüt­zung durch Ein­tritt in Dei­ne Genos­sen­schaft. So weit, so gut und nachvollziebar.

Als Lek­tor habe ich nur einen klei­nen Vor­schlag zur Gestal­tung Dei­ner Wer­be­mit­tel: Wo Dein Namens­zug mit Tat­ze und schwar­zem Hin­ter­grund gra­fisch gestal­tet ist, lässt sich ja gut und gern ein klein­ge­schrie­be­nes »genos­sen­schaft« ohne Bin­de­strich anfü­gen. Im Fließ­text wird die Genos­sen­schaft am Anfang berech­tigt groß – dann gehört da aber (Cor­po­ra­te Iden­ti­ty hin oder her) auch ein Bin­de­strich hin: »taz-Genos­sen­schaft«. Dann klappts viel­leicht noch bes­ser mit den Mitgliedern.

Vie­le Grü­ße
Micha­el Sellhoff

PS: Ach, so viel Wer­bung. Der Frei­tag gewinnt im direk­ten Sprach­an­stand-Ver­gleich, er ver­an­stal­tet, eben­falls als Bei­la­ge zur ZEIT, eine »Frei­tag-Umfra­ge«.

Ahoi!

Ahoi!

Neu­lich kam ich nach so lan­ger Abwe­sen­heit an mei­nen Schreib­tisch im Cars­ten Frahm Ver­lag, dass das Öff­nen eines Päck­chens noch das Herbst­pro­gramm vom KJM Buch­ver­lag zuta­ge brach­te. Tol­le Über­ra­schung: Dar­in fand sich auch das neue Buch von Seli­na See­mann, »Ahoi! Gedan­ken aus dem Nicht­schwim­mer­be­cken«. Bes­se­re